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Vereinspraxis

Eingaben & Ausgaben: Bankkonten, Kasse und jede Buchung an einer Stelle

Die Vereinskasse hat zwei klassische Zustände. Entweder es gibt ein Kassenbuch in Excel, das der Kassenwart pflegt und niemand sonst versteht. Oder es gibt gar keins, und die Jahresrechnung entsteht im Februar aus einem Schuhkarton und Kontoauszügen.

Beide Wege funktionieren so lange, wie derselbe Mensch die Kasse führt. Sie scheitern beim Wechsel — und sie scheitern bei der ersten Frage, die eine Zahl je Abteilung will.

Was ein Verein buchhalterisch mindestens braucht

Ein gemeinnütziger Verein muss keine Bilanz aufstellen, solange er nicht bestimmte Grenzen überschreitet. Eine geordnete Einnahmen-Überschuss-Rechnung reicht in der Regel. „Geordnet“ bedeutet aber drei konkrete Dinge:

  • Jede Bewegung ist erfasst, mit Datum, Betrag, Text und Beleg.
  • Die Zuordnung ist erkennbar — welches Konto, welcher Zweck, welche Sphäre.
  • Die Bestände stimmen mit den Kontoauszügen überein.

Das ist der Anspruch, den diese Seite abbildet — nicht mehr, aber vollständig.

Bankkonten und Kasse

Jedes Konto, über das der Verein Geld bewegt, wird einmal angelegt: Bezeichnung, IBAN, BIC, Bankname, Kontoinhaber und der Startsaldo zum Beginn der Erfassung.

Die Barkasse ist dabei ein Konto wie jedes andere. Wer sie ausklammert, hat später eine Lücke genau dort, wo die kleinen Beträge sitzen — Startgelder, Getränkekasse, Portokasse.

Ein Hauptkonto ist das Konto, das in Auswahlen vorgeschlagen wird. Bei einem Verein mit vier Konten spart das mehr Zeit als es klingt.

Zum Startsaldo gibt es eine Warnung, die man ernst nehmen sollte: Liegen auf dem Konto schon Buchungen, verschiebt ein anderer Startsaldo alle Salden danach. Die Änderung ist möglich, muss aber bestätigt werden. Der richtige Zeitpunkt für den Startsaldo ist der Anfang.

Eine Buchung erfassen

Die Vollerfassung kennt: Datum, Konto, Betrag, Buchungstext, Buchungskonto, Kategorie, Sphäre, Abteilung oder Projekt, Gegenkonto und Inhaber, Transaktionsnummer.

Das ist viel für eine Hallenmiete. Deshalb gibt es die Schnellbuchung — nur Datum, Konto und Summe. Sie ist der richtige Weg für Vorgänge, die keine Auswertung tragen müssen, und der falsche für alles, was in der Jahresrechnung eine Rolle spielt.

Vorzeichen: negativ für Ausgaben. Diese Konvention klingt banal und ist die häufigste Fehlerquelle beim Anlernen neuer Kassenwarte.

Sphären: der Teil, der die Gemeinnützigkeit betrifft

Ein gemeinnütziger Verein rechnet in vier Bereichen. Diese Trennung ist keine Buchhalterfolklore — an ihr hängt die Steuerpflicht.

SphäreWas hineingehört
Ideeller BereichBeiträge, Spenden, Zuschüsse. Steuerfrei.
VermögensverwaltungZinsen, langfristige Verpachtung.
ZweckbetriebSportbetrieb, Kurse, Startgelder — dem Zweck dienend.
Wirtschaftlicher GeschäftsbetriebVereinsgaststätte, Werbung, Sponsoring über der Grenze. Steuerpflichtig.

Wenn jede Buchung ihre Sphäre trägt, ist die Frage „müssen wir Steuern zahlen?“ eine Auswertung. Wenn nicht, ist sie eine Rekonstruktion — meistens im Februar, meistens unter Zeitdruck.

Die Zuordnung wird pro Buchung gesetzt, kann aber über das Buchungskonto vorbelegt werden. Dann trifft man die Entscheidung einmal je Konto statt einmal je Buchung.

Abteilung und Projekt

Jede Buchung kann einer Abteilung oder einem Projekt zugeordnet werden. Daraus entsteht in der Auswertung die Zahl, die in Mitgliederversammlungen regelmäßig die interessanteste ist: Wie trägt sich jede Sparte?

Bei Projekten gilt dasselbe für zeitlich begrenzte Vorhaben — Hallensanierung, Jubiläumsfeier, Anschaffung eines Kleinbusses. Ein Projekt, dessen Kosten über drei Jahre in der allgemeinen Kasse verschwinden, lässt sich nicht abrechnen.

Festschreibung: der Punkt, ab dem nichts mehr wandert

Nach der Kassenprüfung wird ein Zeitraum festgeschrieben. Danach lehnt die Buchung ein Datum in diesem Zeitraum ab — mit dem Hinweis, dass es im festgeschriebenen Bereich liegt.

Der Sinn: Eine geprüfte Kasse, in der noch Buchungen auftauchen, ist keine geprüfte Kasse. Die Festschreibung ist damit die technische Umsetzung des Kassenprüfungsberichts.

Sie lässt sich aufheben, und das ist absichtlich unbequem: Es braucht eine Begründung, und der Vorgang steht im Änderungsprotokoll. Abgeschlossene Bücher wieder zu öffnen ist eine Entscheidung, keine Kleinigkeit.

Wie Buchungen ins System kommen

Drei Wege, und man nutzt alle drei:

  1. Von Hand — für Barkasse und Einzelfälle.
  2. Bankumsätze einlesen — CSV oder MT940 vom Konto.
  3. Aus Zahlungen — der Zahlungsabgleich ordnet Bankbuchungen den offenen Rechnungen zu und bucht sie dabei.

Der dritte Weg ist der, der die meiste Arbeit spart: Beitragszahlungen sind in einem Verein der größte Teil aller Buchungen, und die entstehen dann von selbst.

Häufige Fragen

Braucht ein Verein doppelte Buchführung?

In der Regel nicht. Solange die steuerlichen Grenzen nicht überschritten werden, genügt eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Sie muss aber vollständig, geordnet und belegt sein — und die Sphären müssen erkennbar sein.

Was sind die vier Sphären eines Vereins?

Ideeller Bereich, Vermögensverwaltung, Zweckbetrieb und wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb. Die Zuordnung entscheidet über Steuerpflicht und wird pro Buchung geführt — vorbelegbar über das Buchungskonto.

Was bedeutet Festschreibung?

Ein Zeitraum wird für Buchungen gesperrt, üblicherweise nach der Kassenprüfung. Neue Buchungen mit Datum in diesem Zeitraum werden abgewiesen. Das Aufheben verlangt eine Begründung und wird protokolliert.

Kann ich den Startsaldo eines Kontos noch ändern?

Ja, aber es verschiebt alle Salden nach diesem Datum. Deshalb die Bestätigung. Bei einem Konto mit einem Jahr Buchungen ist es fast immer besser, eine Korrekturbuchung zu erfassen.

Eine Kasse, die den Wechsel überlebt

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